Blog · 1.7.2026 · 6 Min.

Für wen die Abnehmspritze Sinn macht und für wen nicht: Meine Sicht als Trainer

Eins gleich vorweg, damit wir uns richtig verstehen: Ob du eine Abnehmspritze bekommst, entscheidet dein Arzt. Nicht ich, nicht ein Instagram-Post und nicht deine Kollegin, bei der es so gut funktioniert hat. Ich bin Personal Trainer, seit über 20 Jahren, und was ich beitragen kann, ist eine andere Perspektive: Ich sehe die Menschen vor und nach der Verschreibung. Ich sehe, bei wem die Behandlung ein Wendepunkt wird und bei wem sie ein teurer Umweg bleibt. Genau diese Muster teile ich hier.

Denn das ist meine ehrliche Beobachtung aus den letzten Jahren in Köln: Die Spritze ist weder das Wundermittel, als das sie verkauft wird, noch der Teufel, als der sie manchmal dargestellt wird. Sie ist ein Werkzeug. Und wie bei jedem Werkzeug hängt das Ergebnis davon ab, wer es benutzt und wofür.

Bei wem ich die besten Verläufe sehe

Es gibt ein Profil, bei dem ich die Behandlung immer wieder als echten Gamechanger erlebe: Menschen mit deutlichem Übergewicht, oft 20, 30 Kilo oder mehr, die schon mehrere ernsthafte Versuche hinter sich haben. Nicht die, die einmal halbherzig eine Diät probiert haben, sondern die, die wirklich gekämpft haben und bei denen der Hunger jedes Mal gewonnen hat. Für diese Menschen verändert das Medikament die Startbedingungen: Zum ersten Mal seit Jahren ist der Kopf nicht ununterbrochen mit Essen beschäftigt.

Ein Klient von mir, Anfang 50, brachte über 120 Kilo mit und hatte drei gescheiterte Abnehmversuche hinter sich. Mit ärztlich begleiteter Behandlung plus zwei Krafteinheiten pro Woche bei mir hat er in 15 Monaten 26 Kilo verloren und, viel wichtiger, zum ersten Mal in seinem Leben eine Trainingsroutine aufgebaut. Er sagt heute: Die Spritze hat mir Luft verschafft, das Training hat mich verändert. Besser kann man die Arbeitsteilung nicht beschreiben.

Bei wem ich skeptisch bin

Und dann gibt es die Anfragen, bei denen ich innerlich den Kopf schüttle. Die häufigsten Muster:

  • Die letzten 5 Kilo: Wer von 68 auf 63 Kilo will, braucht kein GLP-1 Medikament, sondern Krafttraining und drei Wochen ehrliches Essens-Tracking
  • Die Abkürzung vor dem Sommer: Schneller Gewichtsverlust ohne Verhaltensänderung ist gekauft, nicht verdient, und er geht so schnell, wie er kam
  • Der Ersatz für Bewegung: Wer die Spritze nimmt, um sich das Training zu sparen, verliert Muskeln statt nur Fett und steht danach schlechter da als vorher
  • Der Wunsch nach Kontrolle ohne Auseinandersetzung: Wenn emotionales Essen das eigentliche Thema ist, dämpft das Medikament das Symptom, aber die Ursache wartet geduldig aufs Absetzen

In diesen Fällen sage ich das auch offen. Nicht weil ich gegen das Medikament bin, sondern weil ich den Verlauf schon zu oft gesehen habe: schneller Erfolg, Absetzen, Rückfall, Frust. Und der Frust ist danach größer als vorher, weil jetzt auch noch die Erfahrung des Scheiterns mit einem starken Medikament dazukommt.

Die drei Fragen, die ich jedem stelle

Wenn mich jemand nach der Spritze fragt, stelle ich drei Gegenfragen. Erstens: Hast du mit deinem Arzt über deine Ausgangslage gesprochen, inklusive Blutwerte und Gesundheitsrisiken? Wenn nein, ist das der erste Schritt, nicht die Meinung eines Trainers. Zweitens: Bist du bereit, während der Behandlung zwei- bis dreimal pro Woche Krafttraining zu machen und auf dein Eiweiß zu achten? Wenn nein, wird das Ergebnis dich enttäuschen, egal was die Waage sagt. Drittens: Hast du einen Plan für die Zeit nach dem Absetzen? Wenn nein, bauen wir den, bevor die Behandlung startet, nicht danach.

Wer alle drei Fragen mit Ja beantworten kann, hat aus meiner Sicht die besten Voraussetzungen, aus der Behandlung ein dauerhaftes Ergebnis zu machen. Wer zweimal Nein sagt, sollte ehrlich mit sich sein: Das Problem ist dann nicht der Hunger, und die Lösung ist dann nicht die Spritze.

Was die Spritze nie ersetzen kann

Egal wie gut die Medikamente werden, und sie werden besser: Sie bauen keine Muskeln auf, verbessern keine Haltung, stärken keine Knochen, lösen keine Rückenschmerzen und geben dir keine Energie im Alltag. Das sind genau die Dinge, die bei meinen Klienten ab 40 über Lebensqualität entscheiden. Eine Klientin hat es nach einem Jahr Training neben ihrer Behandlung so formuliert: Abgenommen habe ich durch die Spritze, aber jünger fühle ich mich durchs Training. Beides zusammen war ihr Paket, und in dieser Reihenfolge würde sie es nicht mehr trennen wollen.

Mein Fazit

Die Abnehmspritze macht Sinn für Menschen mit deutlichem Übergewicht, ärztlicher Begleitung und der Bereitschaft, Training und Ernährung parallel aufzubauen. Sie macht keinen Sinn als Abkürzung, als Trainingsersatz oder für die letzten fünf Kilo. Und in jedem einzelnen Fall gilt: Erst das Gespräch mit dem Arzt, dann die Entscheidung, dann der Plan fürs Drumherum.

Falls du gerade überlegst, ob die Behandlung für dich in Frage kommt, oder du schon mittendrin bist und das Training dazu fehlt: Komm auf ein kostenloses Erstgespräch vorbei. Ich sage dir ehrlich, wie ich deine Ausgangslage als Trainer einschätze, und wenn mein Rat lautet, dass du erstmal zum Arzt solltest, dann sage ich dir genau das. Ehrlichkeit kostet bei mir nichts.

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