Blog · 8.7.2026 · 7 Min.

Proteinbedarf berechnen: So viel Eiweiß brauchst du wirklich

Dein Proteinbedarf liegt zwischen 1,2 und 2,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Wo genau du landest, hängt von deinem Ziel ab: Für den Erhalt reichen 1,2 bis 1,6 g/kg, für Muskelaufbau brauchst du 1,6 bis 2,2 g/kg, und in einer Diät solltest du eher am oberen Ende bleiben, also 1,8 bis 2,4 g/kg. Ein 80-kg-Mann, der Muskeln aufbauen will, landet damit bei rund 130 bis 175 Gramm pro Tag. Das ist die ganze Rechnung. Der Rest dieses Artikels zeigt dir, wie du sie auf deine Situation anpasst und wie du diese Menge im Alltag tatsächlich isst, denn daran scheitern die meisten meiner Kunden, nicht an der Mathematik.

Warum pro Kilogramm Körpergewicht gerechnet wird

Die alte Faustregel aus Fitnesszeitschriften lautete: iss einfach viel Eiweiß. Das ist ungenau und führt entweder zu Verschwendung oder zu Unterversorgung. Dein Körper braucht Protein proportional zu der Masse, die er erhalten und reparieren muss. Ein 60-kg-Läufer und ein 95-kg-Kraftsportler haben komplett unterschiedliche Bedarfe, auch wenn beide dreimal pro Woche trainieren. Deshalb rechnen wir pro Kilogramm.

Ein wichtiger Hinweis für alle mit deutlichem Übergewicht: Rechne nicht mit deinem aktuellen Gewicht, sondern mit deinem Zielgewicht. Wer 120 kg wiegt und auf 90 kg will, rechnet mit 90 kg. Sonst kommst du auf Mengen, die weder nötig noch praktikabel sind. Bei meinen Kunden in Köln nutze ich in der Erstberatung genau diese Anpassung, und sie macht die Zahlen sofort realistisch.

Die Formeln für deine drei häufigsten Ziele

Hier die konkreten Rechnungen mit Beispielen. Nimm dein Körpergewicht (oder Zielgewicht) und multipliziere:

  • Gesund bleiben, kein gezieltes Training: 1,2 bis 1,6 g/kg. Beispiel 70 kg: 84 bis 112 g Protein pro Tag.
  • Muskelaufbau mit Krafttraining: 1,6 bis 2,2 g/kg. Beispiel 80 kg: 128 bis 176 g pro Tag.
  • Abnehmen im Kaloriendefizit: 1,8 bis 2,4 g/kg Zielgewicht. Beispiel Zielgewicht 75 kg: 135 bis 180 g pro Tag.
  • Ab 50 Jahren: addiere auf jede Zone etwa 0,2 g/kg, weil dein Körper Eiweiß schlechter verwertet.

Warum in der Diät mehr als beim Muskelaufbau? Weil dein Körper im Kaloriendefizit sonst Muskulatur als Energiequelle abbaut. Protein schützt deine Muskeln, hält dich satt und hat von allen Makronährstoffen den höchsten Sättigungseffekt. Wer im Defizit zu wenig Eiweiß isst, verliert auf der Waage Gewicht, aber ein Teil davon ist Muskel. Das Ergebnis: weniger wiegen, aber weicher aussehen. Genau das wollen die wenigsten.

Der Sonderfall 50 plus: mehr ist hier wirklich mehr

Ab etwa Mitte 40 reagiert deine Muskulatur schwächer auf Eiweiß. Die gleiche Portion löst weniger Muskelaufbau aus als mit 25, Fachleute nennen das anabole Resistenz. Die Lösung ist nicht kompliziert: größere Portionen pro Mahlzeit. Statt 20 g Protein pro Mahlzeit peilst du 30 bis 40 g an. Ich trainiere in Köln einige Kunden über 50, und die sichtbarsten Fortschritte kamen fast immer, nachdem wir das Frühstück umgebaut haben. Ein Marmeladenbrötchen liefert etwa 5 g Protein. Drei Eier mit Skyr liefern über 35 g. Gleicher Platz im Tagesablauf, komplett anderes Ergebnis über sechs Monate.

So sieht ein Tag mit 130 g Protein konkret aus

Zahlen auf dem Papier sind einfach. Essen musst du sie trotzdem. Hier ein realer Beispieltag, wie ich ihn selbst esse, ohne Pulver-Overkill und ohne fünf Hähnchenbrüste:

  • Frühstück: 300 g Skyr mit Beeren und 40 g Haferflocken = ca. 38 g Protein
  • Mittag: 150 g Hähnchen oder 200 g Tofu mit Reis und Gemüse = ca. 35 g
  • Snack: 2 Scheiben Vollkornbrot mit Hüttenkäse = ca. 18 g
  • Abend: 150 g Lachs mit Kartoffeln und Salat = ca. 32 g
  • Optional: ein Glas Milch oder ein Shake = ca. 10 bis 25 g

Das ergibt 123 bis 148 g, verteilt auf vier bis fünf Mahlzeiten. Die Verteilung ist übrigens wichtiger als viele denken: 130 g in einer einzigen Abendmahlzeit verwertet dein Körper schlechter als vier Portionen à 30 bis 35 g über den Tag. Perfektion brauchst du nicht, aber ein proteinreiches Frühstück löst bei den meisten Menschen schon die halbe Tagesration.

Die drei häufigsten Rechenfehler

Fehler eins: Du verwechselst Lebensmittelgewicht mit Proteingehalt. 100 g Hähnchenbrust enthalten etwa 23 g Protein, nicht 100 g. Klingt banal, aber ich sehe diesen Fehler regelmäßig in Ernährungstagebüchern neuer Kunden. Fehler zwei: Du rechnest einmal und überprüfst nie. Tracke eine Woche lang ehrlich mit einer App nach, die meisten Menschen liegen 30 bis 50 g unter ihrem Bedarf und merken es nicht. Fehler drei: Du kaufst zuerst Supplemente. Ein Proteinpulver ist ein Werkzeug für Tage, an denen du deine Menge über echtes Essen nicht schaffst. Es ist Plan B, nicht die Grundlage. Wer seinen Bedarf zu 80 Prozent über normale Lebensmittel deckt, spart Geld und isst automatisch besser.

Mehr als diese Formeln brauchst du für den Start nicht. Teuer wird es nur, wenn du jahrelang mit falschen Zahlen trainierst. Wenn du wissen willst, wie dein persönlicher Bedarf zu deinem Training und deinem Alltag passt, rechne ich das mit dir in einer kostenlosen Erstberatung durch. 30 bis 45 Minuten, und du gehst mit konkreten Zahlen raus, egal ob wir danach zusammenarbeiten oder nicht.

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